20. April 2013

Lesestoff: Nathalie küsst

Location: Leipzig, Germany


"Nathalie war von recht diskreter Natur (die Schweizer Art der Weiblichkeit). Sie hielt sich an die Fußgängerüberwege und hatte so die Zeit des Heranwachsens ohne Erschütterungen durchlaufen. Mit zwanzig sah sie der Zukunft wie einer Verheißung ins Auge." 
(David Foenkinos, Nathalie küsst) 

Nathalies und Francois' Liebesgeschichte gleicht einem Märchen. Aus einer zufälligen Begegnung auf der Straße erwacht eine starke Liebe, die in einer glücklichen Ehe mündet - bis zu einem scheinbar normalen Sonntagnachmittag. Während Nathalie gemütlich zu Hause ein Buch liest, wird ihr Ehemann beim Joggen angefahren und stirbt. Nathalies heile Welt bricht entzwei. Nach einer langen Auszeit, nimmt Nathalie jedoch ihre Arbeit in einer schwedischen Firma wieder auf und muss allerhand Getuschel und die Avancen ihres Chefs über sich ergehen lassen. Bis eines Tages der Schwede Markus in ihr Büro tritt, sie spontan auf ihn zugeht... und ihn küsst.

Meine Meinung
Ich muss zugeben, dass ich immer eine gewisse Skepsis hege, wenn ich einen französischen Roman in der Hand halte, zudem noch einen Roman der von Liebe handelt. Doch, ich wurde (mal wieder) eines besseren belehrt. David Foenkinos hat einen besonderen Schreibstil, er switcht von nahezu poetischen Ausdruckweise zu humorvollen und umgangssprachlichen Passagen. So wirkt die Geschichte niemals langweilig und zu melancholisch. Das Thema das Foenkinos behandelt, seine große Liebe zu verlieren und vollkommen aus der Bahn geworfen zu werden um dann eine neue Liebe zu treffen, begleitet von all der Trauer, Ängsten und Verunsicherungen hat mich wirklich beeindruckt und man kommt nicht umhin darüber nachzudenken, wie man selbst in so einer Situation sein würde.Nathalie ist stets als selbstbewusste, zielstrebige und gefasste Frau aufgetreten, ihre Gedanken sahen jedoch ganz anders aus. Sie verliebt sich nun in einen Mann, der das blanke Gegenteil von ihr zu sein scheint, verunsichert, tollpatschig und  gefühlsbetont. Markus übertrifft sich allerdings selbst, als er um Nathalie und um ihre gemeinsame Liebe zu kämpfen beginnt. Ich konnte mich in beide Charaktere sehr gut hineinversetzen, die Angst verletzt zu werden und eine Abfuhr zu erhalten, kennt wahrscheinlich jeder. Und so sind auch die beiden Protagonisten des Romanes normale Menschen wie du und ich.Besonders gemocht habe ich die kleinen Fußnoten, die der Autor immer wieder gestreut hat, die meist humorvoll waren und die an vielen Stellen nachdenkliche Geschichte, etwas aufgelockert hat. Zudem gab es hin und wieder kleine Zwischenkapitel, zum Beispiel über Nathalies Lieblingsbücher oder eine Lexikoneintrag des Wortes "Empfindsamkeit".

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